The Battle of the Volkswirte – wohin steuert die Weltwirtschaft, was ist mit den Schulden, war’s das mit der Globalisierung?
VTFDS26 Expertengespräch mit Dr. Harald Preißler (Bantleon) und Gerrit Heinz (St. Galler Kantonalbank).
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Mehr InformationenVTFDS26 +++ 47 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026
Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen war praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. Dr. Harald Preißler von Bantleon und Gerrit Heinz von der St. Galler Kantonalbank brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den Talk mit.
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Dr. Harald Preißler: Künstlich gedopte Märkte und neue Zinswelten
Dr. Harald Preißler zieht einen drastischen Vergleich: Die Weltwirtschaft wirkt vordergründig agil, ist jedoch durch massive geld- und fiskalpolitische Stimuli künstlich aufgeputscht. Diese enorme Liquidität führt mittelfristig zu dauerhaft erhöhten Inflationsrisiken und stellt langfristig die Schuldentragfähigkeit der Staaten infrage. Deutschland durchläuft dabei einen schmerzhaften, verspäteten Strukturwandel, der durch hohe bürokratische Hürden und mangelnde Eigenverantwortung erschwert wird. Für das Stiftungsmanagement bricht Preißler mit alten Dogmen: Staatsanleihen bergen zunehmend zinsfreie Risiken. Im festverzinslichen Segment rät er dazu, nominale Papiere durch inflationsindexierte Anleihen (Inflation Linker) zu ersetzen. Zudem empfiehlt er eine strategische Beimischung von physischen Sachwerten wie Industriemetallen und Gold sowie Infrastrukturinvestments, um Portfolios gegen die unweigerlich steigende Volatilität abzusichern.
Gerrit Heinz: Strukturierte Flexibilität statt starrer Allokations-Muster
Aus der Sicht von Gerrit Heinz müssen sich Stiftungsverantwortliche von der Illusion einer risikolosen Wohlfühl-Rendite verabschieden. Das klassische „60/40-Portfolio“ greift in einem inflationären Umfeld mit korrelierenden Assetklassen zu kurz. Heinz warnt vor einer „Vollkasko-Mentalität“ und plädiert stattdessen für das Schweizer Prinzip der Subsidiarität und des Standortwettbewerbs. Für ewigkeitsorientierte Stiftungen empfiehlt er ein robustes, dreigeteiltes Portfoliokonzept, das neben ausgewählten Qualitätsaktien und Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) gezielt auf Volatilitätsstrategien setzt. Durch den strukturierten Verkauf von Volatilität lassen sich auch in unruhigen Marktphasen stetige, versicherungsähnliche Ertragsströme generieren. Im Anleihenbereich mahnt Heinz zur Vorsicht bei langen Laufzeiten: Ein aktives Durationsmanagement mit Fokus auf kürzere Laufzeiten ist essenziell, um schmerzhafte Kursverluste bei steigenden Zinsen zu vermeiden.
Das Ende der Komfortzone erfordert ein aktives Umdenken
Beide Ökonomen sind sich einig, dass der tiefe Strukturwandel und die Deglobalisierung die Parameter für die kommenden Jahre definieren. Die Phase der dauerhaft niedrigen Zinsen und der scheinbar mühelosen Wertzuwächse ist vorbei. Für Stiftungen bedeutet diese neue Ära, dass sie im Risikomanagement umdenken müssen: Volatilität darf nicht länger als reines Schreckgespenst, sondern muss als gestaltbare Konstante begriffen werden. Der Erfolg der kommenden Jahre entscheidet sich nicht an kurzfristigen Timing-Versuchen, sondern an einer klugen, geopolitisch resilienten Asset Allocation und dem Mut der Verantwortlichen, veraltete Denkmuster in den Gremien aufzubrechen.
Protagonisten
Dr. Harald Preißler, Chefökonom und Leiter Asset Management bei Bantleon
Gerrit Heinz, Chefstratege im Investment Center der St. Galler Kantonalbank
Markus Plettendorff, Moderation
Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow







