Asset Allocation anno 2026 – was kann, was muss, was nicht?

VTFDS26 Expertengespräch mit Lena Lappe (Bertelsmann Stiftung), Christoph Kahl (Stiftungsmanagement der LMU München) und Arndt Funken (St. Galler Kantonalbank).

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VTFDS26 +++  45 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026

Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen war praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. Lena Lappe von der Bertelsmann Stiftung, Christoph Kahl vom Stiftungsmanagement der LMU München und Arndt Funken von der St. Galler Kantonalbank brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den OpeningTalk mit.

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Lena Lappe: Emotionen raus – strukturierte Prozesse rein

Lena Lappe hebt hervor, dass der Anlageerfolg einer Stiftung primär auf einem geregelten, von oben nach unten gesteuerten Prozess fußt. In volatilen Marktphasen neigen Anleger zu emotionalen Fehlentscheidungen; ein klares logisches Fundament nimmt diese Unsicherheit aus dem System. Für die Bertelsmann Stiftung beginnt die Arbeit folglich weit vor der eigentlichen Asset Allocation: Die Gremien müssen Ziele und Risikodragfähigkeit präzise definieren. Während Großstiftungen aufgrund personeller Kapazitäten tiefer in alternative Assetklassen einsteigen können, rät Lappe kleineren Stiftungen zu pragmatischen, unterschwelligen Vehikeln wie Dachfondslösungen. Ein schrittweiser, von den Gremien abgesegneter Plan – etwa zur sukzessiven Erhöhung der Aktienquote – schütze davor, bei der nächsten unvorhersehbaren Krise hektisch zu reagieren.

Christoph Kahl: Das Ziel bestimmt den Realerhalt

Aus der Sicht von Christoph Kahl erfordert ein modernes Stiftungsmanagement die Abkehr von veralteten Mustern und den Mut zur Professionalisierung. Das Stiftungsmanagement der LMU München verwaltet 50 bis 100 rechtlich eigenständige Töpfe und bündelt die liquiden Mittel in maßgeschneiderten Spezialfonds. Kahl warnt davor, die eigene Ausschüttungsorientierung über den realen Kapitalerhalt zu stellen. Angesichts der kumulierten Inflationswellen der jüngeren Vergangenheit müsse das vorrangige Ziel die Sicherung der Kaufkraft sowie der Aufbau stiller Reserven sein. Von homöopathischen Beimischungen komplexer Anlageklassen ohne interne Manpower rät er ab: Alternatives machen erst dann Sinn, wenn die Kapazitäten vorhanden sind, um tief in die Details einzusteigen. Stattdessen setzt Kahl auf Einfachheit und robuste Strategien wie liquide Value-Fonds mit klarem Ausschüttungsfokus.

Arndt Funken: Vom Sparbuch der 90er zur „Mission 6%“

Arndt Funken blickt auf eine jahrzehntelange Karriere zurück und erinnert sich an Zeiten, als das gesamte Kapital der Alexander von Humboldt Stiftung noch auf einfachen Sparbüchern lag – ein Konzept, das spätestens 2026 endgültig ausgedient hat. Heute ist bloßes Reagieren der falsche Ansatz; Stiftungen müssen proaktiv auf verschiedene Szenarien vorbereitet sein. Funken vergleicht das Stiftungsmanagement mit der Schifffahrt: Wer seinen Zielhafen durch den Stifterwillen und den Finanzbedarf nicht genau kennt, kann den Kurs nicht halten. Für moderne Renditeansprüche wie eine „Mission 6%“ führt kein Weg an einer langfristigen Aktienquote von rund 60% vorbei. Vermögensverwalter nimmt er dabei explizit in die Pflicht: Sie müssen für Transparenz bei Produkten wie Private Equity sorgen und die Anlagen stets im Gesamtkontext des Stiftungsportfolios betrachten.

Protagonisten

Lena Lappe, Managerin Stiftungsvermögen der Bertelsmann Stiftung
Christoph Kahl, Leiter Stiftungsmanagement der LMU München
Arndt Funken, Leiter Institutionelle Kunden bei der St. Galler Kantonalbank
Tobias Karow, stiftungsmarktplatz.eu (Moderation)

Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow

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