Neue (alte) Möglichkeiten für deutsche Stiftungsvermögen – Was investieren und managen vom gut-deutschen Verwalten unterscheidet
VTFDS26 Expertengespräch mit Anna Sophie Blistein (BONVENTURE=, Dr. Katja Bär (Hans und Ilse Breuer-Stiftung) und Rainer Königs (Deutsche Bundesstiftung Umwelt).
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenVTFDS26 +++ 45 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026
Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen war praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. Anna Sophie Blistein von BONVENTURE, Dr. Katja Bär von der Hans und Ilse Breuer-Stiftung und Rainer Königs von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den Talk mit.
Teilen Sie diesen Artikel!
Dr. Katja Bär: Strategischer Weitblick und Ertragsfokus statt Performance-Mythen
Dr. Katja Bär zieht eine klare Grenze zwischen passivem Verwalten und aktivem Managen: Wer nur verwaltet, arbeitet Checklisten ohne Mut und Fantasie ab – ein Zustand, der in der Wirtschaft zum Stillstand führt und für den Ewigkeitscharakter einer Stiftung fatal ist. Bär bricht mit dem klassischen Performance-Mythos: Die reine Buchwert-Performance lässt sich nicht ausgeben. Entscheidend ist die zielgerichtete Generierung stabiler, ausschüttungsfähiger Erträge (Dividenden und Zinsen) nach Kosten, gepaart mit einem konsequenten Rücklagenaufbau in guten Marktphasen. Für die Hans und Ilse Breuer-Stiftung hat sich dieser ewigkeitsorientierte Ansatz mit einer langjährigen Aktienquote von 50 bis 60 Prozent durch alle Krisen bewährt. Neue Anlageklassen wie Infrastruktur werden dabei behutsam und im Zuge eines kollektiven Erziehungsprozesses im Kuratorium integriert, da am Ende alle Gremienmitglieder gemeinschaftlich haften.
Anna Sophie Blistein: Das ungenutzte Potenzial von Wagniskapital und Impact Investing
Aus der Sicht von Anna Sophie Blistein stellt das bloße, vermeintlich risikolose Sichern des Vermögens im Status quo ebenfalls eine aktive Entscheidung dar – allerdings eine, die wertvolles Wirkungspotenzial verschenkt. Da Stiftungen von Natur aus langfristig und werteorientiert agieren, existiert eine perfekte Passung zum Impact Investing und Wagniskapital (Venture Capital). Blistein plädiert dafür, die künstliche Trennung zwischen Vermögensanlage und ideellem Zweck aufzubrechen. Statt das Kapital unbeteiligt arbeiten zu lassen, um am Ende nur Bruchteile als Spenden auszuschütten, können Stiftungen über gezielte Beimischungen im Private-Equity-Bereich doppelte Wirkung erzielen: marktübliche Renditen erwirtschaften und gleichzeitig gesellschaftliche Innovationen direkt finanzieren. Wer jetzt nicht klein anfängt und erste Erfahrungen sammelt, steht auch in zehn Jahren noch vor den gleichen Berührungsängsten.
Rainer Königs: Professionelle Strukturen sichern die Handlungsfähigkeit
Rainer Königs betont, dass ein erfolgreicher Übergang vom Verwalten zum Managen untrennbar mit den organisatorischen Ressourcen und der Risikotragfähigkeit einer Stiftung verbunden ist. Während die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) als Großstiftung über ein professionelles Anlage- und Backoffice-Team verfügt, stoßen kleinere Stiftungen hier schnell an personelle Grenzen. Königs sieht Kooperationen und Asset-Pooling als notwendige Lösungswege. Die DBU setzt in ihren Richtlinien auf eine breite Diversifikation: Neben verzinslichen Titeln und einer 24-Prozent-Aktienquote investiert die Stiftung stark in Sachwerte wie regenerative Energien und hält rund 70.000 Hektar Naturerbeflächen als ultimativen Sachwertanker. Auch im liquiden Bereich beweist die DBU, dass sich stabile Erträge und messbarer gesellschaftlicher Nutzen verbinden lassen – beispielsweise durch langjährige, krisenfeste Investments in Microfinance-Fonds.
Protagonisten
Anna Sophie Blistein, Investment Managerin bei BONVENTURE
Dr. Katja Bär, Vorstand der Hans und Ilse Breuer-Stiftung
Rainer Königs, Leiter Finanzen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Markus Plettendorff, Moderation
Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow







