Veränderung heißt managen, Vermögen auch – was ändert sich beim Management von Stiftungsvermögen?

VTFDS26 Expertengespräch mit Michael Görner (Malteser-Stiftung), Marc Möhrle (MFI Asset Management) und Andreas Weigl (FAROS Fiduciary Management).

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VTFDS26 +++  45 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026

Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen was praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. Michael Görner von der Malteser-Stiftung, Marc Möhrle von MFI Asset Management und Andreas Weigl von FAROS Fiduciary Management brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den Talk mit.

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Michael Görner: Das Dachstiftungsmodell als Motor für volatiles Wachstum

Michael Görner zeigt, wie sich eine Stiftung aus kleinsten Anfängen heraus dynamisch entwickeln kann. Gegründet mit dem gesetzlichen Mindestkapital von 100.000 Euro, ist die Malteser-Stiftung über die vergangenen 23 Jahre durch ein professionelles Dachstiftungs- und Fundraising-Modell auf über 70 Millionen Euro angewachsen. Görner setzt auf einen vielseitigen Einnahmenmix aus Zustiftungen, Treuhandstiftungen, Erbschaften und innovativen Instrumenten wie zinslosen Stifterdarlehen. Diese finanzielle Flexibilität nimmt den extremen Druck von den reinen Kapitalerträgen. In der Asset Allocation agiert die Stiftung chancenorientiert: Neben einem temporären Liquiditätspuffer und einer kirchenkonformen, kostengünstigen Fondsanlage im Wertpapierbereich investiert Görner gezielt in zugestiftete Immobilien. Ein erfolgreiches Immobilienmanagement erfordert in der Praxis jedoch strikte Selektion, um verlustreiche Klotz-am-Bein-Investments in strukturschwachen Regionen konsequent zu vermeiden.

Marc Möhrle: Asymmetrische Konzepte für iratische Märkte

Aus der Sicht von Marc Möhrle zwingt die zunehmende Frequenz globaler Krisen und binärer, nachrichtengetriebener Marktbewegungen Stiftungen zu maximaler Agilität. Das traditionelle, starre Abwarten von Marktereignissen funktioniert in der heutigen Marktstruktur nicht mehr. Möhrle plädiert für den Einsatz moderner, derivativer Sicherungskonzepte, um Portfolios asymmetrisch aufzustellen. Ziel ist es, an steigenden Märkten partizipieren zu können, während Verlustrisiken nach unten hin systematisch begrenzt werden. Für konservative Stiftungen bietet dieser Ansatz ein verlässliches Fundament: Man muss nicht jede Marktrallye voll mitmachen, solange die ausschüttungsnahe Zielrendite von 4 bis 5 Prozent bei kontrollierter Volatilität geschützt bleibt. Positiv bewertet Möhrle das zurückgekehrte Zinsniveau, das vor allem im Bereich europäischer Unternehmensanleihen mit soliden Bilanzen wieder planbare, ordentliche Erträge liefert.

Andreas Weigl: Strategische Weitsicht schlägt Marketing-Versprechen

Andreas Weigl warnt Stiftungsverantwortliche davor, sich von der alltäglichen Informationsflut und kurzfristigen geopolitischen Störgeräuschen irritieren zu lassen. Um den langfristigen Realwerterhalt der Stiftungen zu sichern, bedarf es einer klaren Trennung zwischen oberflächlicher Produktwerbung und akademisch fundierter Anlagestrategie. Weigl empfiehlt Stiftungen, sich frühzeitig mit alternativen Assetklassen wie Infrastruktur (z. B. erneuerbare Energien oder Datencenter) und Erbbaugrundstücken auseinanderzusetzen, da diese über inflationsindexierte Cashflows einen natürlichen Kaufkraftschutz bieten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt für ihn in der konsequenten Anwendung der berühmten 4Ds: Diversifizieren, Dokumentieren, Delegieren und Durchhalten. Stiftungen sollten die notwendige In-House-Expertise im Controlling stärken oder bankenunabhängige, externe Hilfe hinzuziehen, um die Governance-Strukturen krisenfest aufzustellen.

Protagonisten
Michael Görner, Geschäftsführer und Vorstand der Malteser-Stiftung
Marc Möhrle, Geschäftsführer von MFI Asset Management (LAIQUON)
Andreas Weigl, Geschäftsführer von FAROS Consulting (FAROS Fiduciary Management)
Katrin Tönshoff, Moderation

Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow

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