Aktienquote, Anleihequote, Alternatives-Quote – was für das Stiftungsvermögen am meisten zählen wird

VTFDS26 Expertengespräch mit Stephan George (Rheinischen Stiftung Bildung), Thorben Pollitaras (Comgest Deutschland) und Loki Zanini (Stiftungsexperte).

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VTFDS26 +++  49 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026

Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen war praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. Stephan George von der Rheinischen Stiftung Bildung, Thorben Pollitaras von Comgest Deutschland und Stiftungsexperte Loki Zanini brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den OpeningTalk mit.

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Stephan George: Die Illusion des stetigen Kapitalerhalts brechen

Stephan George plädiert für eine radikale Abkehr von privaten Denkmustern im Stiftungsmanagement. Eine Stiftung agiert in der Dimension der Ewigkeit – ein unendlich langer Zeitraum, in dem kurzfristige Marktschwankungen statistisch bedeutungslos werden. Da die Rheinische Stiftung Bildung durch eigene Bildungskampus massiv in Sachwerten („Betongold“) verankert ist, wird das liquide Vermögen konsequent zu 100 Prozent in Aktien investiert. George betont, dass die jährliche nominale Kapitalerhaltung eine Illusion sei; entscheidend sei die langfristige reale Ertragskraft. Er fordert Vorstände auf, die eigene Risikoneigung von der weitaus höheren Risikotragfähigkeit der Stiftung zu trennen. Das wahre Risiko im Sektor liege nicht in den volatilen Märkten, sondern im zögerlichen Nichthandeln und den veralteten Rezepten mutloser Gremien.

Thorben Pollitaras: Reale Kaufkrafterhaltung braucht die Aktie

Aus der Sicht von Thorben Pollitaras ist die Aktie für ewigkeitsorientierte Stiftungen kein optionales Risiko, sondern eine mathematische Notwendigkeit. Auf der „Mission 6 Prozent“ verweist er auf historische Daten: Über rollierende Zehnjahreszeiträume hinweg lieferten global diversifizierte Qualitätsaktien verlässlich reale Wertzuwächse. Um die schädliche Wirkung der Inflation – die bei einer Rate von 3 Prozent die nötigen Ausschüttungsmittel in 20 Jahren fast verdoppelt – zu schlagen, führt kein Weg an unternehmerischen Beteiligungen vorbei. Stiftungen sollten sich an krisenresistenten Geschäftsmodellen orientieren, die auf zeitlosen Bedürfnissen basieren (wie etwa L’Oréal oder Amazon). Die entscheidende Frage für Stiftungen laute daher niemals ob sie in Aktien investieren, sondern schlicht mit welcher Quote.

Loki Zanini fordert krisenfeste Strukturen statt Gremien-Egos

Stiftungsexperte Loki Zanini richtet den Fokus auf die operative Portfoliokonstruktion und die zwischenmenschliche Dynamik in den Kontrollorganen. Ein tragfähiges Anlagekonzept müsse bereits in ruhigen Zeiten definieren, was als Krise gilt und wie darauf reagiert wird. In der Praxis scheitern ambitionierte Strategien oft an den persönlichen Befindlichkeiten und der „Vergangenheits-DNA“ komplex besetzter Gremien. Zanini rät insbesondere kleineren und mittleren Stiftungen zu maximaler Einfachheit und hoher Liquidität, um die Handlungsfähigkeit in Stressphasen zu sichern. Ein klarer, wissenschaftlich fundierter Core-Satellite-Ansatz mit hochliquiden Titeln schütze vor emotionaler Panik im Tiefpunkt. Professionalität im Backoffice und der Mut zur Delegation an Experten seien die besten Hebel, um Egos zu minimieren und die Ertragskraft der Stiftung zu sichern.

Protagonisten

Stephan George, Vorstand der Rheinischen Stiftung Bildung
Thorben Pollitaras, Geschäftsführer von Comgest Deutschland
Loki Zanini, Stiftungs- und Investment-Experte
Tobias Karow, stiftungsmarktplatz.eu (Moderation)

Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow

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