Stiftungsvermögen und eine neue Verantwortung? – Ein Duo im Deep Dive

VTFDS26 Expertengespräch mit Felix Kroschke (Kroschke-Kinder-Stiftung) und Frank Wieser (Haus des Stiftens).

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VTFDS26 +++  43 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026

Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen war praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. Felix Kroschke von der Kroschke-Kinder-Stiftung und Frank Wieser vom Haus des Stiftens brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den Talk mit.

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Felix Kroschke fordert aktive Gestaltungspflicht statt bloßem Verwalten

Felix Kroschke, der die Kroschke-Kinder-Stiftung in zweiter Generation führt, plädiert leidenschaftlich für einen Generationenwechsel im Mindset von Stiftungen. Verantwortung bedeutet für ihn aktive Gestaltung: Stiftungen sollten sich von der reinen Verwaltung lösen und mutig operative Projekte selbst in die Hand nehmen. Um in gesellschaftlichen Nischen echte Wirkung zu erzielen, bedarf es jedoch einer ebenso mutigen und professionellen Vermögensanlage. Die Kroschke-Kinder-Stiftung nutzt hierzu eine radikal vereinfachte, nur zweieinhalb Seiten lange Anlagerichtlinie, die statt starrer Quoten einen flexiblen Risikokorridor definiert. Ein echtes Plädoyer für unternehmerischen Mut, klare Kriterien (wie den Global Freedom Score) und den Abbau bürokratischer Hürden, um junge Philanthropen für den Sektor zu begeistern.

Frank Wieser: Mutlose Gremien bremsen den Stiftungserfolg aus

Aus der Sicht von Frank Wieser scheitert eine zeitgemäße Asset Allocation viel zu oft an der mangelnden Veränderungsbereitschaft in den Gremien. Viele Anlagerichtlinien seien veraltete „Resteposten“ aus der Finanzkrise, die Aktienquoten unnötig auf 30 Prozent deckeln und damit langfristig jeglichen Performancepfad abschneiden. Wieser rät Stiftungen dazu, alte Richtlinien komplett einzustampfen, statt an ihnen herumzudoktern. Nur mit Mut und pragmatischen Prozessen im Backoffice lasse sich das Vermögen zukunftsfähig aufstellen. Auch beim Thema ESG schlägt das Haus des Stiftens radikal neue Wege ein: Statt dass jede Stiftung mühsam eigene Ausschlusskriterien definiert, sollten schlicht die ESG-Prozesse der Asset Manager bewertet werden. So wird aus wirkungslosem „Bienchen-und-Blümchen-Marketing“ echte, messbare Transparenz.

Bürokratie-Overkill bedroht das ehrenamtliche Engagement

Sowohl Kroschke als auch Wieser betrachten die zunehmende Überregulierung im gemeinnützigen Sektor mit großer Sorge. Die Verdreifachung der Paragraphendichte durch die jüngsten Reformen erdrücke insbesondere kleinere, ehrenamtlich geführte Stiftungen, deren Vorstände oft ein hohes Durchschnittsalter aufweisen. Wenn die Angst vor Haftungsfragen und bürokratischen Fallstricken (wie dem Entgelttransparenzgesetz) dazu führt, dass Gelder in endlosen Gremienschleifen blockiert werden, bleibt die gesellschaftliche Wirkung auf der Strecke. Um die Bereitschaft für Zustiftungen und Spenden bei der jüngeren Generation zu sichern, muss das Stiftungswesen dringend digitaler, transparenter und unbürokratischer werden. Das Steuerprivileg darf nicht als bürokratische Fessel, sondern muss als gesellschaftlicher Vertrauensvorschuss gelebt werden.

Protagonisten

Felix Kroschke, geschäftsführender Vorstand der Kroschke-Kinder-Stiftung
Frank Wieser, Geschäftsführer des Hauses des Stiftens
Markus Plettendorff, Moderation

Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow

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