Die alte Weltordnung gibt es nicht mehr, wo ist die neue? – Ideen für Stiftungsvermögen
Finanzexperte Dr. Jens Erhardt (DJE Kapital) und Stiftungsexperte Dieter Lehmann (VolkswagenStiftung) diskutieren im Panel mit Moderator Markus Plettendorf über die aktuelle Lage an den Finanzmärkten.
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Mehr InformationenVTFDS26 +++ 46 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026
Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen war praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. Dr. Jens Erhardt von DJE Kapital und Dieter Lehmann von der VolkswagenStiftung brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den OpeningTalk mit.
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Dr. Jens Erhardt plädiert für monetäre Analysen statt Geopolitik
Dr. Jens Erhardt blickt auf fast 60 Jahre Börsenerfahrung zurück und betont, dass Märkte historisch vor allem durch Liquidität und Notenbankpolitik getrieben wurden – eine Erkenntnis, die er schon in seiner Promotion auf wissenschaftlicher Basis erforschte. Während heute viele Anleger versuchen, geopolitische Ereignisse oder unberechenbare Tweets zu erraten, setzt Erhardt weiterhin auf das Fundament: Geld macht die Kurse. Die heutige Praxis des Quantitative Easing stützt die Märkte nachhaltig. Für Stiftungen sieht er die Lösung in einer gesunden Diversifikation, die vermehrt internationale Aktien und dividendenstarke Titel beinhalten muss, um den realen Vermögenswert gegen die Inflation zu sichern. Das Schlimmste sei prozyklisches, panisches Agieren im Tiefpunkt einer Baisse.
Gelassenheit durch ewigkeitsorientiertes Durchhalten
Aus der Sicht von Dieter Lehmann wird die aktuelle Krisenrhetorik rund um eine angebliche „Zeitenwende“ medial massiv übertrieben. Besondere Herausforderungen gab es in Form von schwarzen Schwänen – wie dem Ölpreisschock, dem Vietnamkrieg oder der Dotcom-Blase – schon immer. Für die VolkswagenStiftung ist das Agieren auf Ewigkeit das entscheidende Fundament, um Marktvolatilitäten schlicht auszusitzen. Vorsicht sei lediglich bei direkten politischen Eingriffen geboten, die Marktmechanismen außer Kraft setzen – hier reagierte die Stiftung in der Vergangenheit auch mit konsequenten Verkäufen, wie jüngst bei US-Staatsanleihen. Die wahre Kunst des Stiftungsmanagements liege laut Lehmann im Markovitz-Gedanken: Eine breite Diversifikation über Assetklassen hinweg wählen und diese dann konsequent durchhalten, auch wenn einzelne Segmente temporär verlieren.
Das neue Stiftungsrecht als moderner Befreiungsschlag
Neben der richtigen Anlagestrategie bietet das reformierte Stiftungsrecht laut Dieter Lehmann neue, bahnbrechende Hebel für die Praxis. Während die mediale Diskussion oft um Haftungsfragen kreist, sieht Lehmann den eigentlichen Meilenstein in der Liberalisierung der Umschichtungsrücklage. Dass realisierte Kursgewinne nun explizit für den Stiftungszweck eingesetzt werden dürfen, beendet eine juristische Grauzone der Niedrigzinsphase. Es öffnet kleineren und größeren Stiftungen die Tür für eine zeitgemäße Asset Allocation weg von reinen Rentenpapieren hin zu chancenreichen Sachwerten wie Aktien und Immobilien. Weg von der Volatilitätsphobie, hin zur langfristigen Ertragskraft – das Gesetz liefert hierfür das dringend benötigte Fundament.
Protagonisten
Dr. Jens Erhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG
Dieter Lehmann, Mitglied der Geschäftsleitung und Vermögensverwalter der VolkswagenStiftung
Markus Plettendorf, Moderation
Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow

