Alte Gewissheiten gelten und zählen nicht mehr, und alte Gewohnheiten auch nicht – ein Gespräch am Puls der Zeit
VTFDS26 Expertengespräch mit René Wrenger (Mercer) und Markus Plettendorff (Wirtschaftsjournalist).
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenVTFDS26 +++ 43 Minuten +++ ausgestrahlt am 16.6.2026
Management von Stiftungsvermögen ist in den aktuellen Zeiten, in denen Erratizismus und Unberechenbarkeit die Parameter für die Gemengelage zu sein scheinen, keine einfache Aufgabe. Vielleicht sind diese Zeiten sogar die anspruchsvollsten, die Stiftungsmanager jemals bewältigen mussten. Andererseits galt dies auch schon in früheren Zeiten, denn Stiftungsvermögen war praktisch niemals mit feststehenden Umfeldfaktoren konfrontiert. Eher im Gegenteil. René Wrenger von Mercer und der renommierte Wirtschaftsjournalist Markus Plettendorff brachten im Expertengespräch ihre Sicht auf die Dinge in den OpeningTalk mit.
Teilen Sie diesen Artikel!
René Wrenger: Mit Investment Governance der Ohnmacht begegnen
René Wrenger plädiert dafür, das Denkmuster „Das kann ich mir nicht vorstellen“ endgültig zu begraben. Die letzten zwei Jahrzehnte haben gezeigt, dass das Unwahrscheinliche zur neuen Normalität geworden ist. Das größte Risiko für Stiftungsverantwortliche sei es, aus Angst vor Fehlern in eine Schockstarre zu verfallen oder stur an den Konzepten der letzten 30 Jahre festzuhalten. Wrenger fordert eine Professionalisierung durch moderne Investment Governance. Statt auf unzuverlässige Punktprognosen zu vertrauen, müssen Portfolios in stochastischen Simulationen durch wechselhafte und krisenbehaftete Marktphasen geschickt werden. Erst wenn ein Vorstand schwarz auf weiß sieht, dass die Stiftung selbst einen 20-prozentigen Aktiencrash wirtschaftlich überlebt, weicht der Bauch-Aktionismus einer belastbaren, resilienten Strategie.
Markus Plettendorff: Disruption als kreativen Prozess begreifen
Aus der Sicht von Markus Plettendorff ist die permanente Disruption der hergebrachte Zustand unserer Zeit. Die Gewissheit, in Europa die USA als bedingungslos verlässlichen Partner an der Seite zu haben, ist erodiert. Plettendorff warnt vor der deutschen und europäischen Tendenz, im Bewahren des Gestrigen zu verharren, anstatt den disruptiven Wandel proaktiv mitzugestalten. Dies zeige sich sowohl in einer zögerlichen Industriepolitik als auch in der verzögerten Erkenntnis, dass Verteidigungsfähigkeit und Frieden elementare, nachhaltige Werte sind. Er fordert, Disruption nicht nur als Bedrohung von außen zu betrachten, sondern als kreativen Prozess zu begreifen, aus dem Neues erwachsen kann. Auf politischer wie auf sektoraler Ebene braucht es dafür echte Zukunftsstrategien statt operativer Hektik.
Die Weichen richtig stellen: Hausaufgaben vor High-Tech-Debatten
Im Kontext der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) warnen beide Experten vor verfrühtem Aktionismus. Zwar birgt die KI als disruptive Kraft und potenzielle fünfte industrielle Revolution enorme Hebel zur Effizienzsteigerung und als Investmentthema im Venture-Capital-Bereich. Doch für die breite Masse der Stiftungen gilt: Erst müssen die Hausaufgaben gemacht werden. Bevor über hochkomplexe KI-Szenarien spekuliert wird, gilt es, grundlegende Strukturen zu sichern. Dazu gehören eine aktuelle Anlagerichtlinie, eine solide strategische Asset Allocation (SAA), die gezielte Auswahl aktiver und passiver Mandate sowie ein aussagekräftiges Reporting. Nur wer seine Governance-Hausaufgaben erledigt, schafft die nötige Resilienz, um in einer unruhigen Welt handlungsfähig zu bleiben.
Protagonisten
René Wrenger, Investment-Experte und Partner bei Mercer
Markus Plettendorff, renommierter Wirtschaftsjournalist und Moderator
Tobias Karow, stiftungsmarktplatz.eu (Moderation)
Stab
Kamera: Florian Manhardt
Ton: „Future Fabrik“
Bühnen-Setting: Mark Burnett
Post Produktion: Andreas Wagner
Stream Koordination: Daniel Heinrich
Screen Design: Susanne Liebenow
Produzent: Tobias Karow







